Nach
Berechnungen der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sind
seit dem 1. Juli 2007 genau 11.226 Medikamente von dieser Regelung
betroffen. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der
zuzahlungsfreien Arzneimittel somit mehr als verfünffacht.
"Wir Apotheker freuen uns darüber, dass der Geldbeutel der Patienten
geschont wird", sagt ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf:
"Inzwischen wissen die Versicherten, dass nicht die Apotheken, sondern
die Krankenkassen von den Zuzahlungen profitieren. In der Apotheke
soll schließlich die Beratung über Risiken und Nebenwirkungen statt die
Aufklärung über Zuzahlungen und Befreiungen im Vordergrund stehen."
Das Gesundheitsreformgesetz AVWG aus dem Jahr 2006 ermöglicht es den
Krankenkassen, Nachahmermedikamente (Generika) von der Zuzahlung zu
befreien, wenn ihr Abgabepreis mindestens 30 Prozent unter dem so genannten
Festbetrag liegt. Am 1. Juli 2006 hatte die ursprüngliche Liste rund
2.100 zuzahlungsbefreite Präparate enthalten.
Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln müssen Patienten im Normalfall
10 Prozent der Kosten selbst tragen, mindestens 5 und höchstens 10 Euro.
Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind
befreit. Auch Erwachsene sind von weiteren Zuzahlungen befreit, soweit
diese bereits 2 Prozent ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen übersteigen.
Bei chronisch Kranken ist diese Belastungsgrenze bei 1 Prozent erreicht.
16.07.2007
Presseinformation
REPORT 2007 Pflegenotstand
in deutschen Kliniken
Hedwig
Francois-Kettner, Pflegedirektorin an der Berliner Charité und Mitglied im
Präsidium des Deutschen Pflegerates (DPR)
Mainz.
An deutschen Krankenhäusern herrschen Missstände im Bereich der Pflege.
Das berichtet das ARD Politikmagazin REPORT MAINZ in seiner Ausgabe am 16.
Juli. Das Magazin beruft sich dabei insbesondere auf die noch unveröffentlichte,
repräsentative Studie „Pflege-Thermometer 2007“ des Deutschen Instituts
für angewandte Pflegeforschung (DIP), in Köln. Danach können frisch
Operierte oft nicht angemessen versorgt und Pflegebedürftige nicht mehr
ausreichend betreut werden. Die Patientensicherheit sei langfristig nicht
mehr gewährleistet.
Prof.
Frank Weidner, der Direktor des DIP erklärt in REPORT MAINZ, es bestehe ein
Risiko, „in Notfällen nicht schnell genug versorgt zu werden und
gegebenenfalls bei mangelnder Pflegeversorgung auch zu sterben, im Ernstfall
oder im Einzelfall ist das sogar nicht mehr auszuschließen.“
Die
Studie wertet die Angaben von 260 Pflegedirektionen deutscher Krankenhäuser
aus. Das „Pflege-Thermometer“ untersucht jedes Jahr einen anderen
Bereich der Pflege.
Die
Pflegewissenschaftlerin Prof. Sabine Bartholomeyczik bestätigt diese
Aussage. In eigenen Untersuchungen hat sie einen „Rückgang der direkten
Pflege“ an den deutschen Kliniken festgestellt.
Hedwig Francois-Kettner, Pflegedirektorin an der Berliner Charité und
Mitglied im Präsidium des Deutschen Pflegerates (DPR) befürchtet eine
Entwicklung „die für die Patienten sehr gefährlich wird.“
Ursache sei vor allem der Personalabbau im Pflegedienst der Krankenhäuser
von 429.183 Beschäftigten im Jahr 1995 auf 393.186 Stellen im Jahr 2005.
Das ist ein Rückgang um 13,5 Prozent der Stellen.
Gleichzeitig – so das DIP – habe die Zahl der Patienten zugenommen.
Diese seien im Durchschnitt älter und pflegebedürftiger geworden, so dass
die Arbeitsbelastung für die Krankenschwestern gestiegen sei.
Beide Wissenschaftler sprechen von einer „Rationierung der Pflege im
Krankenhaus“. Bundesregierung und Krankenhausbetreiber bestreiten
unterdessen eine Rationierung der Krankenpflege.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland nach Angaben der Deutschen
Krankenhausgesellschaft (DKG) beim Quotient Pflegekraft in der
Akutversorgung pro Bett im Mittelfeld. (Deutschland 2004: 0,75). In Großbritannien
(1,80), Irland (1,50) und Portugal (0,87) beispielsweise ist der Schlüssel
wesentlich günstiger.
Ein weiterer Grund für die Misere sei, eine unzureichende Finanzierung der
Pflegeleistungen durch die Fallpauschalen (DRGs) im Krankenhaus. Prof.
Sabine Bartholomeyczik wörtlich: „Die Pflege ist im DRG-System bisher völlig
unzureichend, wenn überhaupt abgebildet.“ Zeitaufwändige
Pflegeleistungen wie Hilfe beim Essen oder Trinken seien somit praktisch
nicht finanzierbar.
Das Bundesgesundheitsministerium sieht die Krankenhäuser in der Pflicht,
die Pflege in den Kliniken zu verbessern. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär
im Ministerium wörtlich: „Die Krankenhäuser sind verantwortlich für
ihren Personaleinsatz, (...) damit die Patientinnen und Patienten ordentlich
gepflegt werden.“
Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG beklagt in REPORT MAINZ eine
Einsparung von 700 Millionen Euro in den deutschen Kliniken in diesem Jahr
aufgrund der Gesundheitsreform: „Das zwingt die Krankenhäuser zu
rationalisieren, Anpassungen in den Betriebsabläufen vorzunehmen und das führt
natürlich dann auch in der Pflege im Ergebnis zu weniger Zuwendung am
Krankenbett.“
20.04.2007
Pflegeversicherung
und Neugeborene
KASSEL
(ddp). Kranke Neugeborene können von Geburt an Leistungen der
Pflegeversicherung erhalten. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts müssen
die Kinder dafür nicht zusammen mit ihren Eltern familienversichert sein.
Es reiche aus, wenn ein Elternteil mindestens fünf Jahre lang in die
Pflegekasse eingezahlt und damit die gesetzlich geforderte
Vorversicherungszeit erfüllt habe.
Im konkreten Fall ging es um einen siebenjährigen Jungen, der seit Geburt
pflegebedürftig ist. Die Kasse, bei der der Junge freiwillig versichert
ist, wollte ihm erst ab dem fünften Lebensjahr Leistungen bewilligen. Die
fehlende Vorversicherungszeit könne nur dann durch ein Elternteil ersetzt
werden, wenn es eine gemeinsame Familienversicherung gebe, argumentierte
die Kasse. Der Vater ist privat versichert. Die Vorversicherungszeit der
Mutter, die wie das Kind gesetzlich versichert ist, wollte die Kasse nicht
anerkennen.
Urteil des Bundessozialgerichts, Az.: B 3 P 1/06 R
10.04.2007
Mit
Knochenmarkzellen gegen MS
Genetisch
veränderte Zellen lindern bei Mäusen die Symptome der Krankheit.
Genetisch
veränderte Zellen des Knochenmarks könnten in Zukunft die Folgen der
Krankheit Multiple
Sklerose (MS) heilen. Zu diesem Schluss
kommen Bonner Forscher nach Versuchen mit Mäusen. Die Wissenschaftler veränderten
Vorläufer bestimmter Zellen genetisch derart, dass sie ein Eiweiß
produzierten, das normalerweise von für die Immunabwehr im Nervensystem
zuständigen Zellen gebildet wird. In Mäusen mit einer MS-ähnlichen
Krankheit bewirkten diese Vorläuferzellen eine deutliche Abschwächung
der Krankheitssymptome. Ob die neuen Erkenntnisse auch zur Therapie von MS
beim Menschen eingesetzt werden können, ist allerdings noch unklar.
Patienten mit MS leiden an Entzündungen im Gehirn und im Rückenmark –
einerseits durch eine direkte Schädigung der Nervenzellen und
andererseits, weil die körpereigenen Abwehrzellen die Isolierschicht der
Nervenfortsätze angreifen. Um das beschädigte Gewebe reparieren und die
Entzündung mindern zu können, müssen die Überreste abgestorbener
Nervenzellen entfernt werden. Dafür sind im Zentralnervensystem die so
genannten Mikrogliazellen
zuständig. Um ihre Arbeit zu verrichten, müssen
sie allerdings zuerst über das Eiweiß TREM2, das auf ihrer Oberfläche
sitzt, aktiviert werden.
In einer früheren Studie hatten Kazuya Takahashi und seine Mitarbeiter
beobachtet, dass auch im Knochenmark gebildete Vorläufer der
Mikrogliazellen bei der Beseitigung der Zellüberreste und der Hemmung der
Nervenentzündung helfen können. Dazu müssen sie jedoch zuvor genetisch
so verändert werden, dass sie TREM2 produzieren. In der neuen Arbeit
untersuchten die Forscher nun die Wirkung solcher Vorläuferzellen in
Labormäusen, die an einer tierischen Variante der MS litten. Bereits zwei
Stunden nachdem die genetisch modifizierten Zellen den Mäusen injiziert
worden waren, waren sie im Zentralnervensystem angelangt, stoppten dort
die Schädigung der Nervenisolierungen und führten zu einer verstärkten
Beseitigung der toten Zellen, beobachteten die Wissenschaftler. Als Folge
der Behandlung zeigten die Mäuse deutlich weniger Krankheitssymptome und
wiesen auch weniger beschädigte Nervenzellen auf.
TREM2-produzierende Vorläuferzellen aus dem Knochenmark könnten daher
einen neuen Ansatz für die Therapie von entzündlichen Nervenkrankheiten
bilden, hoffen die Wissenschaftler. Ein Vorteil sei, dass die Zellen dem
Knochenmark oder nach einer Vorbehandlung auch dem Blut entnommen werden könnten.
Takahashi und sein Team betonen jedoch, dass noch weitere Tests mit
Labortieren folgen müssten, bevor Aussagen über die Eignung der Therapie
bei Menschen mit MS gemacht werden könnten.
Kazuya Takahashi (Universität Bonn) et al.: PLoS
Medicine, Bd. 4, Artikel e124
ddp/wissenschaft.de – Katharina Schöbi
19.03.2007
Mund-zu-Mund-Beatmung
bei Herzstillstand nicht hilfreich
Tokio/London
(dpa) - Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist im Falle eines Herzstillstands gar
nicht so hilfreich wie lange Zeit angenommen. Eine Herzmassage allein rettet
im Fall eines plötzlichen Herzstillstandes rund doppelt so viele Leben wie
eine Kombination aus Herzmassage mit Mund-zu-Mund-Beatmung.
Das
berichten Forscher um Ken Nagao vom japanischen Surugadai Nihon Universitätskrankenhaus,
nachdem sie 4068 Fälle von plötzlich kollabierten Erwachsenen aus der
japanischen Region Kanto untersucht hatten. Die Resultate werden im
Medizinjournal «The Lancet» vom Freitag (Bd. 369, S. 920) vorgestellt.
Umstehende
Retter sollten sich künftig ganz auf die Herzmassage konzentrieren,
empfehlen die Wissenschaftler mit Blick auf die Resultate ihrer Studie. In
keiner Patientengruppe habe die zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung
irgendeinen Nutzen gebracht. Im Gegenteil: Sie benötige zu viel Zeit, die für
die nützlichere Herzmassage fehle.
Diese
Studie bestätige, was sich in Tierversuchen bereits gezeigt habe, erklärte
Gordon Ewy vom Klinikum der Universität Arizona in Tucson (USA) in einem
begleitenden Text in dem Journal. Der Verzicht auf die vielfach als
unangenehm empfundene Methode könnte zudem mehr Menschen ermutigen, im
Notfall auch wirklich zu helfen. Andere Untersuchungen hätten gezeigt, dass
die Beatmung auch aus Angst vor übertragbaren Krankheiten unbeliebt sei.
Der Transport des Blutes durch den Körper sei für den kollabierten
Patienten wertvoller als die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff durch
die Beatmung, erläuterte Ewy. «Wir wissen jetzt, dass sie nicht nur nicht
hilfreich ist, sondern oft sogar schadet.»
Die
Gruppe um Nagao unterteilte die Patienten - je nach ihren Herzproblemen - in
mehrere Untergruppen. Eine davon waren Betroffene, deren Herz nach einem
Stromstoß der herbeigeeilten Notärzte wieder zu schlagen begann. Allein in
dieser Gruppe überlebten fast doppelt so viele Menschen, die nur eine
Herzmassage und keine zusätzliche Mund- zu-Mund-Beatmung erhielten (19,4 zu
11,2 Prozent), heißt es in «The Lancet»
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Illegale
Pflege mit Todesfolge
„92-jähriger
stirbt nach Misshandlung.“ So titelte jetzt die Frankfurter Rundschau
und berichtete über schwerwiegende Pflegefehler an einem Mann aus
Mittelhessen, die diesem durch eine illegal beschäftige Hilfskraft aus
Polen zugefügt worden seien. Angehörige hätten die grundpflegerische
Versorgung ihres Vaters durch einen ambulanten Dienst gekündigt, hieß es
in dem Bericht, und mit den von der Pflegekasse ausgezahlten
Geldleistungsbeträgen sei eine illegale polnische Hilfskraft über eine
Vermittlungsagentur angeheuert worden. Anstelle der „billigen und
liebevollen Rund-um-die-Uhr-Versorgung“, wie sie auch unzählige
Kleinanzeigen und Internetseiten versprechen, habe allerdings eine
fachlich unqualifizierte polnische Hausfrau die illegale Billigpflege übernommen.
Das Resultat dieser Sparwut seien schwerste Misshandlungen mit Todesfolge.
„Sie haben zumeist keinerlei Ausbildung, sprechen allenfalls gebrochen
deutsch und sind konkurrenzlos billig“, nennt Jochen Rindfleisch-Jantzon,
Vorsitzender des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V.
(bpa) in Hessen, die Hauptmerkmale der rund 100.000 illegalen Pflegekräfte
in deutschen Haushalten. Dass dadurch massenhaft reguläre,
sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in ambulanten und stationären
Pflegeeinrichtungen verloren gehen und systematisch Steuerhinterziehung
und Sozialversicherungsbetrug begangen wird, trete angesichts des nun
bekannt gewordenen Misshandlungsfalls in Mittelhessen schon fast in den
Hintergrund.
Rindfleisch-Jantzon: „Der tragische Tod dieses Mannes zeigt deutlich,
dass die Gesundheit der Betroffenen auf dem Spiel steht! In diesem
extremen Fall kamen wohl auch Alkoholabhängigkeit, Vereinsamung und Überforderung
hinzu. In viel häufigeren Fällen aber führt allein das Fehlen von
pflege-fachlichem Wissen zu schmerzhaften Druckgeschwüren, dem Verlust
von Kompetenzen des Pflegebedürftigen und ausgeprägter Abhängigkeit.“
Die Pflegekassen zahlten die Geldleistungsbeträge ohne jede Prüfung der
rechtmäßigen Verwendung aus, klagt Rindfleisch-Jantzon einen Kernbereich
des Missbrauchs an. Bei professionellen Einrichtungen sei die gesetzliche
Prüfdichte durch den Medizinischen Dienst und die Heimaufsicht äußerst
engmaschig. „Hingegen herrscht bei Pflegegeldbeziehern ein schwarzes
Loch, in dem sich professionelle Schleuserbanden tummeln.“ Deshalb die
Forderung des hessischen bpa-Vorsitzenden: „Wer Geldleistungen aus der
Pflegeversicherung bezieht, muss auch nachweisen, dass er sie ordnungsgemäß
verwendet. Zudem müssen die Zollbehörden personell so ausgestattet
werden, dass sie nicht nur in der Bauwirtschaft, sondern auch in
Pflegehaushalten erfolgreich sein können, wo es um Leib und Leben von
Menschen geht.“
Der bpa begrüßt, dass sich nun auch die hessische Sozialministerin Silke
Lautenschläger gegen die Duldung von Schwarzarbeit in der Pflege
ausgesprochen hat und gesetzliche Regelungen anstoßen wird. Über die Förderung
eines Niedriglohnsektors soll der ‚Jobmotor Pflege’ angekurbelt
werden.
Quelle: bpa - Bundesverband privater Anbieter Sozialer
Dienste e.V.
26.02.2007
Grundlagen
der Gesundheitsreform
13.02.2007
Die
Gesundheitsreform zeitlicher Ablauf
06.02.2006
Vier-Sterne-Urlaub
für Demenzkranke und deren pflegende Angehörige
Im
Landhaus Fernblick in Winterberg steht das gemeinsame Erleben im Vordergrund
In
Winterberg hat die Arbeiterwohlfahrt Westliches Westfalen ein Urlaubsdomizil
speziell für an Demenz erkrankte Menschen und deren pflegende Angehörige
eröffnet.
Die
Betreuung eines an Demenz erkrankten Familienmitglieds hinterlässt Spuren.
Neben körperlichen Leiden wie Rückenschmerzen machen psychische
Belastungen den Angehörigen zu schaffen.
Einen
Urlaub gönnen sich aber längst nicht alle Betroffenen. Denn vor dem
Schritt, ein demenzkrankes Familienmitglied in einer
Kurzzeitpflegeeinrichtung unterzubringen, schrecken viele zurück - aus
Angst, dass sich der gesundheitliche Zustand des Patienten verschlechtern könnte.
Eine Reise zusammen mit dem Pflegebedürftigen verbietet sich meist aus
Mangel an behindertengerecht eingerichteten Hotels.
Keine
Vollzeitpflege, sondern Verbringen gemeinsamer Zeit
Hier
setzt das Angebot des Landhauses Fernblick an. "Bei uns können
dementiell Erkrankte und Pflegende zusammen im beschützten Rahmen ihren
Urlaub verbringen", erklärt Eckhard Roth, Leiter des Hauses. Statt
Vollzeitpflege soll das Erleben gemeinsamer Zeit mit dem Erkrankten im
Mittelpunkt stehen.
Deshalb
nehmen die Mitarbeiter des Landhauses den Angehörigen die Pflege auch nicht
völlig aus der Hand. "Die begleitenden Gäste pflegen hier ihre Angehörigen
wie zu Hause", sagt Roth. Wer gewohnt ist, dabei die Hilfe eines
ambulanten Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen, kann das auch beim Urlaub
im Sauerland tun. Das Landhaus kooperiert mit diversen Anbietern vor Ort.
Die Angehörigen haben andererseits aber auch die Möglichkeit, ihre
Familienmitglieder bis zu vier Stunden täglich im Landhaus von Fachkräften
betreuen zu lassen. Die Kosten dieser Betreuung übernimmt in der Regel die
Pflegekasse.
"So
können sich die Pflegenden einmal Zeit für sich selbst nehmen, eine Runde
Schach spielen, ein Buch lesen oder einfach mal in Ruhe spazieren
gehen", so Roth. Zudem verfügt das Landhaus als Hotel der
Vier-Sterne-Kategorie über Sauna, Schwimmbad sowie einen Sport- und
Massagebereich.
Damit
auch die Demenzkranken einen entspannten Urlaub verbringen können,
versuchen die Mitarbeiter des Landhauses deren Bedürfnissen bestmöglich
entgegen zu kommen. Spezielle Fußbodenbeläge, indirekte Beleuchtung und
gezielt platzierte Möbel und Dekoartikel sollen die Orientierung im
behindertengerecht gestalteten Haus erleichtern.
Besonderes
Highlight ist der "Sinnesgarten". Er ist mit besonders
duftintensiven Blumen und Kräutern bepflanzt. "Mit fortschreitender
Demenz gewinnt das Langzeitgedächtnis immer mehr an Bedeutung, und schließlich
erinnern sich die dementiell Erkrankten nur noch an ganz ursprüngliche
Erfahrungen wie Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen", erklärt
Roth. Der Garten soll diese Sinne wecken. Auf dem gesicherten Areal können
die Pflegebedürftigen auch auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen.
Gedächtnistraining
und Gymnastik
Neben
Freizeitangeboten wie das Gestalten mit Stoff und Farbe, Gedächtnistraining
und Gymnastik sind auch organisierte Ausflüge zu lokalen Sehenswürdigkeiten
möglich. Sollte es zu gesundheitlichen Komplikationen kommen, stehen
kooperierende Ärzte vor Ort bereit.
Die
Resonanz auf das im September 2005 gestartete Urlaubsangebot sei bisher sehr
gut gewesen, so Roth. Vor allem im vergangenen Sommer sei das etwa 55
Personen fassende Landhaus bereits gut ausgelastet gewesen. Die Kosten für
einen Urlaubstag mit Vollpension sind mit 45 Euro pro Person vergleichsweise
günstig.
Landhaus
Fernblick, Wernsdorfer Str. 44, 59955 Winterberg, Tel. 02981 / 898-0, Fax
02981 / 898-299, E-Mail: landhaus-fernblick@aw-kur.de
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05.02.2007
Reform der Pflegeversicherung
Bei
einer von der Grünen-Fraktion am vergangenen Freitag angesetzten Debatte im
Bundestag sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, "von einer
Verschiebung der Reform kann keine Rede sein". Nach jetzigem Stand soll
eine Pflegereform zum 1. Juli 2008 starten, sechs Monate später als
eigentlich vorgesehen.
Einig
ist sich die Koalition, dass die seit 1995 unveränderten Leistungen der
Pflegeversicherung dynamisiert werden müssen. Umstritten ist aber die
Finanzierung. Vereinbart hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag, das
Umlageverfahren durch "kapitalgedeckte Verfahren als
Demografiereserve" zu ergänzen.
Der
Unions-Abgeordnete Hermann-Josef Scharf wiederholte am Freitag die
Forderung, für den Aufbau einen monatlichen Beitrag von den Versicherten zu
erheben, der unabhängig vom Einkommen sein soll. Diese Pflege-Kopfpauschale
lehnt die SPD ab. Aus Sicht der Sozialdemokraten könnte etwa die Anhebung
der Beitragsbemessungsgrenze in der Pflege- auf das Niveau der
Rentenversicherung (von 3562 auf 5250 Euro) 1,2 Milliarden Euro zusätzlich
in die Kassen spülen.
Geplant
ist laut Koalitionsvertrag ein Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und
privater Pflegevesicherung. Allerdings solle dafür der Kapitalstock der
privaten Pflegekassen nicht angezapft werden, stellte das
Bundesgesundheitsministerium gestern klar. "Sie verheddern sich wieder
in Finanzdebatten", warf die pflegepolitische Sprecherin der Grünen,
Elisabeth Scharfenberg, der Koalition vor.
Unterdessen
stehen die Vorarbeiten für die Reform noch aus. Denn einig sind sich
Fachleute darin, dass der Begriff der Pflegebedürftigkeit überarbeitet
werden muss. Doch der jüngst dafür gegründete Beirat wird seine
Ergebnisse erst Oktober 2008 vorstellen - nachdem die Reform in Kraft
getreten sein soll.
12.01.2007
Neue
Hinweise: Epstein-Barr-Virus und Multiple Sklerose stehen doch miteinander
in Verbindung
In
einer jüngst veröffentlichen Studie der Neurologischen Klinik an der
Heinrich-Heine Universität Düsseldorf ergaben sich Hinweise auf eine
Verbindung zwischen der Epstein-Barr-Virus Infektion und dem Entstehen der
Multiplen Sklerose (MS). In der von Dr. Sabine Cepok und Mitarbeitern
(Arbeitsgruppe Prof. Bernhard Hemmer) durchgeführten Studie, wurden
Reaktionen von Antikörpern im Liquor (Nervenwasser) von Patienten mit
Multipler Sklerose mittels einer neuen Methode untersucht.
Zum
Einsatz kam ein so genannter Proteinchip, auf dem mehr als 30.000 Proteine
(Eiweiße) aufgetragen wurden. Mit dieser neuen Methode untersuchten die
Wissenschaftler, an welche Proteine die Liquor-Antikörper binden. Die
Identifikation solcher krankheitsrelevanten Proteine sollte Hinweise auf
die Ursachen der Multiplen Sklerose liefern.
Im
Rahmen der Untersuchungen fanden sich MS-spezifische Reaktionen, die nicht
bei Kontrollpersonen beobachtet wurden. Die weitere Charakterisierung
dieser Antikörperbindung ergab, dass die beiden ausgeprägtesten
Immunreaktionen gegen Proteine des Epstein-Barr-Virus gerichtet waren.
Beide Proteine kommen in Zellen vor, die vom Epstein-Barr-Virus befallen
sind, aber an der Infektion nicht zugrunde gehen (latente Infektion; der
Mensch trägt das Virus in sich, ist aber nicht erkrankt). Nachdem die
Wissenschaftler die Epstein-Barr-Virus Proteine künstlich hergestellt
hatten, konnten sie zeigen, dass die MS-Patienten eine deutlich höhere
Antikörperreaktion gegen beide Epstein-Barr-Virus Proteine aufweisen als
Patienten mit anderen Erkrankungen des Nervensystems.
Auch
gelang es den Wissenschaftlern zu zeigen, dass ein Teil der im Liquor von
den MS-Patienten nachweisbaren oligoklonalen Banden an diese Proteine
bindet. Weiterhin untersuchten die Wissenschaftler die T-Zell Immunantwort
gegen das Epstein-Barr-Virus. Auch hier zeigte sich, dass MS-Patienten
eine höhere Reaktivität gegen Epstein-Barr-Virus aufweisen.
Zusammengefasst
deuten die Untersuchungen darauf hin, dass MS-Patienten eine erhöhte
Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus aufweisen. Diese Daten decken
sich mit Untersuchungen anderer Arbeitsgruppen, die eine häufigere
Epstein-Barr-Virus Infektion bei MS-Patienten nachweisen konnten. Weitere
Studien sollen nun klären, wie der Epstein-Barr-Virus möglicherweise an
der Entstehung und Chronifizierung der Multiplen Sklerose beteiligt ist.
Quelle:
Cepok S, Zhou D, Srivastava R, Nessler S, Stei S, Bussow K,
Sommer N, Hemmer B.
Identification of Epstein-Barr virus proteins as putative targets of the
immune response in multiple sclerosis.
J Clin Invest. 2005;115:1352-60
Redaktion:
DMSG Bundesverband e.V.
17. Mai 2005
09.01.2007
Über
die Wirkungsweisen von Transfettsäuren.
19.12.2006
Wie
viel muss ich zuzahlen in der Apotheke oder bei der
Krankengymnastik?
17.12.2006
Liste
zuzahlungsbefreiter Arzneimittel
Hier
finden Sie die aktuelle und vollständige Liste der Arzneimittel, die seit
dem 1. Juli 2006 von der Zuzahlung befreit sind (Quelle: Spitzenverbände
der gesetzlichen Krankenkassen, Stand: 15. Dezember 2006). (PDF, 1,28
MB)
20.11.2006
Das
bringt die Gesundheitsreform den Versicherten
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Neuer
Therapieansatz für Multiple Sklerose
Bei Multipler Sklerose greift das Immunsystem
Strukturen im Gehirn wie einen Fremdkörper an und richtet so schwere
Schäden an. Die Forschergruppe um den Neuroimmunologen Prof. Burkhard
Becher von der Universität Zürich hat jetzt eine Möglichkeit entdeckt, das
Immunsystem so zu modifizieren, dass die Selbstzerstörung verhindert wird.
Die Arbeit wird in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature
Immunology" publiziert. Sie ist ein wichtiger Schritt für eine mögliche
Bekämpfung der Multiplen Sklerose.
Das Immunsystem schützt den Körper normalerweise vor Infektionen und
schädlichen Umwelteinflüssen. Manchmal, wenn auch selten, greift das
Immunsystem versehentlich den eigenen Körper an. Genau dies passiert bei
der Multiplen Sklerose (MS), der häufigsten entzündlichen Erkrankung des
Zentralen Nervensystems. Alleine in der Schweiz leben über 10 000
MS-Patientinnen und Patienten, in Deutschland sind es rund 120 000.
Forscher gehen heute davon aus, dass eine fatale Abwehrreaktion bei den
MS-Patienten die Erkrankung auslöst: Das Immunsystem stuft Strukturen im
Gehirn als Fremdkörper ein und greift diese an. Besonders betroffen von
der Immunattacke ist die Nervenisolierung, das so genannte Myelin. Die
Folge sind Entzündungen in Gehirn und Rückenmark, die bei den Betroffenen
zu erheblichen Behinderungen führen können.
Die eigentlichen Täter, die die Immunattacke auf das Gehirn einleiten,
sind eine bestimmte Sorte von weissen Blutzellen (Helfer-T-Zellen). Diese
werden von Verräterzellen - die das Forschungsteam von Prof. Burkhard
Becher letztes Jahr identifizieren konnte - darauf programmiert, das
Gehirn anzugreifen. Zur Kommunikation verwenden die Zellen so genannte
Zytokine, hormonähnliche Botenstoffe, die das Verhalten dieser
selbst-aggressiven Immunzellen beeinflussen. Der Forschergruppe um den
Neuroimmunologen Prof. Burkhard Becher ist es jetzt gelungen, diese
Kommunikation zu entschlüsseln und so einzugreifen, dass es zu einer
Umprogrammierung der bösartigen Zellen kommt. "Dabei war es wichtig, dass
die Schutzfunktion des Immunsystems nicht eingeschränkt wird", erklärt
Burkhard Becher. Er zeigt in seiner Publikation in der Fachzeitschrift
"Nature Immunology", dass durch eine Blockade des Interleukin-18-Rezeptors
auf der Zelloberfläche das aggressive Verhalten der bösartigen Zellen
verhindert werden kann. "Wir können damit die Verräterzellen so
manipulieren, dass das irregeleitete Immunsystem im Gehirn keinen Schaden
mehr anrichten kann", sagt Prof. Becher weiter.
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Alzheimer - Durch frühe Diagnose Zeit und
Lebensqualität gewinnen
In Deutschland leiden bereits jetzt mehr als 850.000 Menschen an
Alzheimer-Demenz. Jährlich kommen fast 100.000 neue Fälle hinzu. Aufgrund
der demographischen Entwicklung gehen Schätzungen von einer Verdopplung
dieser Zahlen bis zum Jahr 2030 aus. Nicht nur für alte Menschen ist diese
Erkrankung ein Thema. Durch einen Krankheitsfall in der Familie werden
auch viele Jüngere mit dem Problem Alzheimer konfrontiert, denn die
Hauptlast in der Versorgung der Kranken tragen derzeit die Angehörigen.
Etwa zwei Drittel der Betroffenen werden zu Hause versorgt.
Gewissheit
Der durchschnittliche Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung liegt bei etwa
neun Jahren, in wenigen Fällen kann er bis zu 20 Jahren andauern. Im
allgemeinen verläuft die Krankheit in drei Stadien. Die Anfangsphase kann
dabei bis zu fünf Jahre dauern. In dieser Zeit sind die Probleme der
Betroffenen noch nicht offensichtlich. "Die meisten Erkrankten sind sich
ihrer Schwächen allerdings sehr bewusst, versuchen aber eine Fassade
aufrecht zu erhalten," erklärt Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Leiter des
Essener Geriatrie-Zentrums Haus Berge. "Vor allem das Kurzzeitgedächtnis
ist dann betroffen: Die Erkrankten vergessen häufig Termine oder wo sie
etwas hingelegt haben. Es fällt ihnen schwer, sich auszudrücken und erste
Probleme mit Orientierung und Zeitgefühl machen sich bemerkbar.
Situationen, denen sie sich nicht mehr gewachsen sehen, versuchen sie zu
vermeiden. Auf das Nachlassen ihrer Fähigkeiten reagieren sie mit Wut,
Aggression, Scham, oder sie beschuldigen andere, beispielsweise Dinge
versteckt zu haben. In dieser Anfangsphase wollen Erkrankte - aber auch
deren Angehörige - der Wahrheit häufig nicht ins Gesicht sehen. Man sollte
sich aber nicht scheuen, darüber zu reden, wenn erste Symptome auftreten".
Ein Besuch beispielsweise in der Memory-Clinic Essen bringt Gewissheit, ob
es sich bei den auftretenden Gedächtnisstörungen tatsächlich um die
Alzheimer-Erkrankung handelt oder ob diese andere Ursachen haben.
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